Heimatliebe: Street Art in Frankfurt

Nein, Frankfurt ist nicht New York. Und nein, Frankfurt ist auch nicht Berlin. Das soll es auch gar nicht sein, denn Frankfurt entwickelt sich als Großstadt vom Lande prächtig und bietet eine immer größere Spielwiese für innovative Ideen in allen kulturellen Bereichen. Doch eins haben die großen Metropolen Frankfurt voraus: Farbe, Schablonen, Kleister und Papier in Massen, die das bunte kulturelle Treiben auf die Oberflächen der Stadt übertragen.

Street Art ist in Frankfurt, trotz zunehmender Popularität, im Vergleich zu anderen Großstädten nur wenig präsent. Während zahlreiche Ausstellungen, Galerien und Ateliers eröffnet werden, Reisebusse das Museumsufer bevölkern und sich auch im Bereich Subkultur einiges tut, lassen die Straßen an Farbe noch vermissen.

Doch begibt man sich auf die Jagd nach Stickern, Stencils und ihresgleichen und flaniert auf den Spuren von Street Art durch die Stadt, dann präsentieren sich so einige künstlerische Leckerbissen. Das Straßenbild abseits von Zeil und Museumsufer wird immer bunter. Spaziert man durch Viertel wie das Nordend, Ostend, Bornheim oder Bockenheim grinsen gerne mal Monster vom nächsten Straßenschild oder Slogans von den Wänden. Die Werke von Künstlern, wie Peng, Parasol oder City Ghost, die stets anonym bleiben, aber jeder Eingeplackte doch irgendwie kennt, besetzen immer mehr Winkel und Ecken. 

 

Street Art, oder auch Urban Art, hat ihren Ursprung im Graffiti und verschiedenen avantgardistischen Kunstrichtungen und etablierte sich in der heutigen Form seit etwa 2003 in den europäischen Großstädten. Auch wenn die Ausdrucksformen vielfältig sind, begegnet man Street Art meistens in Form von Postern, Cut-Outs, Schablonenbildern und Stickern. Inhaltlich spiegeln die präsentierten Logos, Bilder und Texte die Gegenwartskultur und setzen sich vielfach humorvoll und ebenso kritisch mit dieser auseinander. Auch wenn Stars der Szene wie Banksy zunehmend vom kommerziellen Kulturbetrieb vereinnahmt werden, ist Street Art dem Namen nach eine Kunst der Straße. Kennzeichnend für Street Art ist, dass sie inoffiziell in die Stadt als öffentlichen Raum eingreift und sich diesen zueigen macht. Als Form zeitgenössischer urbaner Kommunikation und Ästhetik prägt sie die Oberfläche und Sprache des städtischen Raums und repräsentiert den Flair der jeweiligen Stadt. Die Kunst bietet so eine Möglichkeit die stereotypen Bilder der Großstädte individuell kreativ zu gestalten.

Auch die Frankfurter Street Art-Werke setzen sich direkt mit ihrer Umgebung auseinander und färben die Straßen vielfach mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit. So wacht ein überdimensionaler Goethe über die Kleinmarkthalle, am nächsten Kaugummiautomaten repräsentiert ein Äpplerglas-Sticker die Heimat und Statements wie „Ich liebe Frankfurt“ und „The City loves you“ rufen von den Wänden. Doch es wird auch kritisch mit der eigenen Stadt und der gegenwärtigen Kultur umgegangen, wenn zum Beispiel einer der Bankentürme bildlich zu Grabe getragen wird. 

 

Gerade in Frankfurt, als Stadt der Banken und des Museumsufers, kann Street Art auch als Versuch verstanden werden, sich dem Kommerz, sowie der Institutionalisierung von Kunst zu entziehen und die Straße als kreativen Freiraum zurückzugewinnen. Dieselbe Motivation führt zu der zunehmenden Erschließung von Off-Spaces in Frankfurt, wie dem ATELIERFRANKFURT an der Schwedlerstraße oder dem Milchsackgelände im Gallus, wo alternative Orte für Kunst und Kultur geschaffen werden. Die Bewohner der Stadt sind angehalten die verborgenen Orte der Kunst zu entdecken und die Zeichen der Straße zu lesen und zu deuten.

Und so gilt auch in Zukunft: Augen auf! Denn Street Art ist nicht das sonntägliche Kulturvergnügen mit erläuternderer Hochglanzbroschüre, sondern ein Stück Kunst im Alltag, das in aller Eile, oft auch mit Absicht leicht verborgen, gerne übersehen wird.

 

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