Eine Frage der Größe

Diese Bilder sind aus der aktuellen Calvin Klein Dessous Werbung – für Plus Size, also Übergrößen. Das wunderschöne Model heißt Myla Dalbesio und trägt Kleidergröße 40. Als ich die Fotos zum ersten Mal sah, dachte ich nicht, dass es sich hierbei um eine Plus Size-Kampagne handelt: Ja, das Model hat größere Brüste, aber gerade von der Seite erkennt der Betrachter die Rippen. Auch das Schlüsselbein und die Schulterknochen zeichnen sich klar ab. Wieso verkauft CK also seinen Kundinnen eine Frau, die offensichtlich nicht übergewichtig ist, als eine, die dennoch Übergröße braucht? Statt mit dieser Werbung eine Zielgruppe anzusprechen, sorgt das Label so für Frust auf allen Seiten. Größere Frauen werden sich nicht mit dem Model identifizieren können und auch für Normalgewichtige, wie mich, ist diese Kampagne frustrierend. Bin ich mit Größe 38/40 schon am Rande der Plus Size Mode. Gelten meine Maße denn schon als überdurchschnittlich? Die Gefahr daran ist vor allem, dass Modekonzerne klammheimlich immer dünnere Schönheitsideale generieren. Dabei könnte die Werbung erfolgreich und gleichzeitig ein Novum sein: indem man Kundinnen nicht diktiert, was sie hier sehen. Indem man nicht in Kategorien wie Plus Size oder Normalgröße denkt, sondern das Model und die Mode für sich stehen lässt. Dann würde nämlich die Ästhetik im Vordergrund stehen – nicht die Größe. Fotos via Pinterest.

Korrektur: Tatsächlich hat Nicht Calvin Klein dieser Kampagne das Stigma Plus-Size verpasst, sondern die Medien. CK wollte mit dieser Kampagne zeigen, wie unterschiedlich Frauenkörper sind. (Und wie gut die Unterwäsche jeder passt). Ganz schön erfrischend für eine Marke, die sonst für super dünne Models bekannt ist. Offen bleibt aber die Frage: ist diese Kampagne Sinnwandel oder Sympathiefänger?

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3 Kommentare

  1. Wenn man sich diese und ähnliche Bilder ansieht, könnte man meinen ‚plus size‘ sei in der Modeindustrie ein Synonym für ‚gesund‘, ‚frisch‘ und ‚lebensfroh‘ im Gegensatz zu den fahlen, puppengleichen Standardmodells.

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  2. Wer erwartet denn noch, dass die Modeindustrie ein reales und authentisches Körperbild hat?

    Wer so herum steht wie das Model auf den Bildern wird aber ganz andere Probleme bekommen: schmerzende Schultern und Rücken und Muskelkater vom Becken-nach-vorne schieben; so kommen die Hüftknochen heraus, der Bauch wird schlanker und Schultern und Schlüsselbein werden knochiger. Der Rest wird halt digital nachgebessert. Das hat schon lange nichts mehr mit Realität, Abbildung und Ästhetik zu tun.

    Es hat natürlich zwei Seiten: einerseits muss man sich selbst (!)von den Werbebildern emanzipieren, während es andererseits immer schwieriger wird, da unsere „visual culture“ eben auf diesen Bildern und Vorstellungen beruht und diese permanent und überall gegenwärtig sind. Dazu kommt die Problematik, dass man ständig gewzungen ist sich zu vergleichen und vergleichbar zu machen und da es keine alternative „Kultur des Sehens“ gibt, ist es natürlich perfide wie „normal“ verdeckt zu „s / xs“ verschoben wird und nachfolgende Generationen damit sozialisiert werden: der Körper wird immer wichtiger und sexy zu sein zum gängigen Imerpativ, egal in welchen Räumen man sich bewegt.

    Die Brigitte hat doch eine Weile auf professionelle Models verzichtet; aber die Leser*innen hatten anscheinend keine große Lust normale Menschen zu sehen.

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    1. Sicher ist es wichtig sich dem Imperativ der Werbung zu entziehen, aber wie du sagst, bisweilen unmöglich. Die Brigitte hat damals die Normalo-Models aufgegeben, weil die Produktion des Magazins so viel teurer war. Man muss Amateure suchen, casten, schulen, mehr Nachbearbeiten und muss die Kleidung in unterschiedlichen Größen kaufen. Lohnte sich also nicht. Daran merkt man doch schon, wie alltagsfremd Mode sein kann. Doch gerade mit diesem Spannungsfeld spielt sie auch – sie gibt den Konsumenten den kleinen Finger, in dem sie sagt „du kannst auch Teil dieser Welt sein“, die ganze Hand bekommen sie aber nur selten.

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